Mastodon für Münchner Kommunalpolitiker:innen

Kommunalpolitiker:innen sind die Politiker, die am nähsten an den Bürgen sind und vor Ort im direkten Gespräch stehen. Dabei gibt es viele Wege, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und Social Media gehört da mittlerweile zweifelsohne auch dazu.

Als Mitglied im Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart kenne ich die Herausforderungen der Bezirksausschussarbeit und habe in den letzten drei Jahren Erfahrungen mit Kommunalpolitik auf Mastodon gesammelt. Mit diesem Artikel möchte ich diese Erfahrungen mit den über siebenhundert Münchner Kommunalpolitiker:innen, die die Stadt im Stadtrat und in den Bezirksausschüssen mitgestalten, teilen. Das heißt aber nicht, dass der Artikel nicht auch für Kommunalpolitiker:innen aus anderen Städten oder alle, die sich für einen Einstieg ins Fediverse interessieren, hilfreich sein kann. Jeder ist willkommen.

Inhalt

Dies ist ein lebendes Dokument, d.h. ich werde es immer wieder aktualisieren und neue Erkenntnisse und Feedback einfließen lassen.

Motivation

Bevor ich beantworte, warum Kommunalpolitiker:innen im Fediverse/auf Mastodon aktiv werden sollten, sollte ich vermutlich erklären, was das Fediverse überhaupt ist. Das Fediverse ist nicht eine einzige Social-Media-Plattform, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Softwarelösungen (Mastodon ist eine davon) und Instanzen dieser Softwarelösungen, die durch ein gemeinsames Protokoll verbunden sind: ActivityPub. Durch das gemeinsame Protokoll können die Benutzer miteinander interagieren, unabhängig davon, auf welcher Instanz sie sich befinden. Ein vergleichbares System gibt es z.B. bei E-Mail, wo es ebenfalls eine Vielzahl miteinander kompatibler Anbieter gibt und man auch seinen eigenen E-Mail-Server betreiben kann.

Aber was macht das Fediverse eigentlich zu einer guten Plattform für Kommunalpolitiker:innen?

Die internationalen (US) Social-Media-Plattformen stehen immer wieder im Konflikt mit der europäischen Souveränität. Unregulierte Algorithmen und aktive Eingriffe in die politische Meinungsbildung machen die kommerziellen Plattformen zu einer Gefahr für unsere Demokratie. Dadurch werden immer wieder Rufe nach einer europäischen Plattform laut. Das Fediverse bietet dies.

In den letzten Jahren haben die bisherigen internationalen Social-Media-Plattformen und ganz besonders X (ehemals Twitter) stark an Relevanz verloren und die Benutzer verteilen sich heute auf mehr Plattformen. In dem Zug hat das Fediverse stark an Relevanz gewonnen und ist in Deutschland mittlerweiel auf Augenhöhe mit den Konkurreten X und Bluesky. Insbesondere wenn wir auf das Thema #München blicken, hat das Fediverse die Nase vorne.

Letzten Endes geht es aber nicht nur um Reichweite, sondern auch um Partizipation. Auf Instagram, Facebook und co. ist es nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ohne einen Account Inhalte zu sehen. Wenn politische Kommunikation exklusiv auf diesen Plattformen erfolgt, schließt das Menschen, die für sich persönlich entschieden haben z. B. keinen Meta-Account haben zu wollen, aus. Im Gegensatz dazu erlaubt Mastodon auch unauthentifzierten Nutzern die meisten Inhalte zu lesen und bietet Features, wie einen RSS-Feed, um das zu erleichtern.

In der heutigen, zersplitterten Social-Media-Landschaft kann keine einzelne Plattform dem Kommunikationsbedarf von Politiker:innen allein gerecht werden. Aber wenn es eine Plattform gibt, auf die Politiker, denen externe Angriffe auf unsere Demokratie Sorgen bereiten, und die allen Bürgern die Chance auf Partizipation geben wollen, nicht verzichten können, dann ist es das Fediverse. Und mein Ziel ist es, diesen Politiker:innen mit diesem Artikel den Einstieg so einfach wie möglich zu machen.

Die richtige Instanz

Wer neu im Fediverse ist, steht gleich vor der ersten Herausforderung: Auf welcher Instanz soll ich meinen Account anlegen?

Für Münchner Kommunalpolitiker:innen gibt es zwei naheliegende Optionen. Zum einen gibt es mit muenchen.social eine Instanz, die sich direkt an Münchner:innen richtet. Das ist auf jeden Fall ein guter Ausgangspunkt, auch wenn reine Wahlkampfaccounts auf der Instanz unerwünscht sind1. Zum anderen betreiben einige Parteien mittlerweile eigene Mastodon-Server für ihre Mitglieder:

Partei Instanz
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN https://gruene.social
Die Linke https://linke.social
SPD https://spd.social
FREIE WÄHLER https://freiewaehler.social
Die Partei https://die-partei.social

Das heißt nicht, dass diese Instanzen die einzig richtigen sind, aber für alle, die nicht sowieso schon wissen, wohin sie wollen, sind sie eine sehr gute Wahl. Da alle aufgeführten Instanzen auf Mastodon setzen, werde ich im Folgenden nur noch auf Mastodon eingehen. Alle diese Instanzen können aber auch mit Instanzen interagieren, die eine andere Software verwenden.

Erste Schritte

Die ersten Schritte nach der Registrierung unterscheiden sich nicht wesentlich von anderen Social Media Plattformen: Profilbild auswählen, (optional) Banner setzen, Biographie ausfüllen.

Mastodon kann über den Webbrowser oder über eine mobile App genutzt werden. Neben der offiziellen App gibt es eine Vielzahl von Alternativen, aus denen man wählen kann. Aber das ist eine Entscheidung, die man natürlich jederzeit ändern kann. Es kann sich durchaus lohnen, ein paar Anwendungen auszuprobieren, bis man die beste für sich gefunden hat.

Wichtige Einstellungen

Mastodon ist eine datenschutzfreundliche Plattform, die von vielen Nutzern gerade wegen ihrer kleinen, gemütlichen Communities geschätzt wird. Wer jedoch auf mehr Reichweite aus ist, sollte darauf achten, dass die Reichweiteneinstellungen (Einstellungen > Datenschutz und Reichweite) richtig gesetzt sind. Die folgenden vier Einstellungen sollten aktiviert sein:

  • Profil und Beiträge in Empfehlungsalgorithmen berücksichtigen
  • Neue Follower automatisch akzeptieren
  • Öffentliche Beiträge in die Suchergebnisse einbeziehen
  • Profilseite in Suchmaschinen einbeziehen
Screenshot der "Datenschutz und Reichweite"-Einstellungen

Für maximale Reichweite sollten die Optionen für Reichweite und Suche aktiviert werden.

Außerdem ist es – insbesondere bei politisch exponierten Accounts – immer sinnvoll, die Multi-Faktor-Authentisierung zu aktivieren. Das geht in den Einstellungen unter Konto > Zwei-Faktor-Authentisierung.

Der erste Post

Wenn das erledigt ist, können wir uns an einen ersten Post wagen: Ein #introduction (und ggf. #NeuHier) Post ist eine gute Gelegenheit für eine etwas ausführlichere Vorstellung als in der Biografie und gibt dem neuen Account gleichzeitig gleich ein wenig Sichtbarkeit. Auch für diejenigen, die schon etwas länger auf Mastodon sind und schon einen #introduction Post gemacht haben: Eure (Wieder-)wahl in den Stadtrat oder Bezirksausschuss ist eine gute Gelegenheit eure Vorstellung zu aktualisieren.

Damit der Post nicht in den Tiefen der Timeline verloren geht, lohnt es sich, ihn im Profil anzuheften. Hier kommt auch eine Besonderheit des Fediverse zum Tragen: Da das Fediverse über viele Instanzen verteilt ist, ist nicht immer sichergestellt, dass jeder Post auf jeder Instanz bekannt ist. Einen Post anzuheften stellt sicher, dass der Post synchronisiert wird, wenn jemand das Profil öffnet.

Screenshot eines Menüs; der Eintrag "Im Profil anheften" ist hervorgehoben

Die Option Posts anzuheften findet sich im Menü des jeweiligen Posts.

Folgen und gefolgt werden

Mastodon hat keinen algorithmischen Feed. Das bedeutet, dass in der Home Timeline nur Posts von Accounts (oder Hashtags) angezeigt werden, denen man folgt, oder Posts, die von Accounts, denen man folgt, geboostet (geretweeted) wurden.

Damit Mastodon richtig Spaß macht, sollte man ein paar hundert Accounts folgen. Ein guter Anfang sind diese Starter Packs:

Gerade am Anfang gilt: Zögert nicht, neuen Accounts zu folgen, ihr könnt jederzeit wieder entfolgen. Der beste Weg um selbst Follower zu bekommen, ist Interaktion mit andern Accounts. Kein Algorithmus bedeutet auch, dass anderen eure Posts nur sehen, wenn sie euch folgen oder euer Post geboosted wird. Aber keine Sorge, sobald ihr ein paar Follower habt, wird das zum Selbstläufer.

Wenn ihr Mitglied im Münchner Stadtrat oder einem der Bezirksausschüsse seid, sagt mir Bescheid, wenn ich euch ins Münchner Kommunalpolitik Starter Pack aufnehmen kann.

Hashtags

Auf Mastodon könnt ihr aber nich nicht nur anderen Accounts folgen, sondern ihr könnt auch Hashtags folgen. Ein guter Kandidat wäre hier z. B. #München.

Dadurch ist die Bedeutung von Hashtags auf Mastodon spürbar größer als auf anderen Plattformen. Nutzt das! Vergesst aber nicht: Ihr postet nicht für einen Algorithmus, sondern für Menschen. Wenn eure Posts mit Hashtags überladen sind, kann das auch kontraproduktiv sein.

Mein Tipp ist, in Posts zwei bis drei relevante Hashtags zu verwenden. Außerdem kann es sich lohnen, eigene Hashtags zu etablieren : Ich poste seit einiger Zeit (IMHO recht erfolgreich) aus dem Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart unter dem Hashtag #BA11Live. Ein vergleichbarer Hashtag bietet sich auch für die anderen BAs an.

Ein paar Tipps zum Abschluss

Jedes soziale Netzwerk ist ein wenig anders, und um erfolgreich zu sein, hilft es, die Besonderheiten zu kennen.

Ohne Algorithmus ist man bei Mastodon auf seine Follower angewiesen. Die Community interagiert gerne und viel mit den Posts, aber das beruht auch auf Gegenseitigkeit:

Accounts, die nur passiv (oder sogar komplett automatisiert) Pressemitteilungen teilen, funktionieren auf Mastodon in den meisten Fällen eher schlecht. Gebt euren Followern das Gefühl, dass ihr sie seht. Interagiert mit euren Followern, reagiert auf Antworten.

Likes können auf Mastodon als Lesebestätigung verwendet werden, denn sie haben außer einer Benachrichtigung des Autors kaum Auswirkungen. Nutzt das.

Wenn ihr wollt, dass ein Post gesehen wird, dann boostet ihn. Auf Mastodon sieht man nur die Posts, die auf der eigenen Instanz bekannt sind. Das bedeutet, dass nicht alle eure Follower die gleichen Posts sehen. Das gilt auch für Antworten auf eure Posts: Wenn ihr denkt, dass eine Antwort lesenswert ist, dann boostet sie.

Im Gegensatz zu anderen Social-Media-Plattformen werden Posts mit Links nicht bestraft. Es gibt keinen Grund, Links in einer Antwort zu verstecken oder sie nur als Text (ohne https://) einzufügen. Macht es euren Lesern so einfach wie möglich, den Link zu finden.

Inklusion wird bei Mastodon groß geschrieben. Viele Nutzer boosten Posts mit Bildern grundsätzlich nur, wenn das Bild einen Alt-Text hat. Macht es euch zur Gewohnheit, immer einen Alt-Text hinzuzufügen, und ihr mehr Interaktionen bekommen.

Und damit wünsche ich euch viel Erfolg mit eurem neuen Mastodon-Account! Bei Fragen schreibt mir einfach oder wendet euch unter #AskFedi an die Community. In meinem Artikel Mastodon für Bundestagskandidat:innen gehe ich außerdem noch auf ein paar weitergehende Themen ein, z. B. wie ihr eure Webseite im Fediverse zum Scheinen bringt oder das Fediverse in eure Social-Media-Strategie einbindet.


  1. Aus den Serverregeln von muenchen.social:

    Accounts, die vorrangig der organisierten Werbung für politische Parteien, Kampagnen oder Wahlkämpfe dienen, sind auf dieser Instanz nicht erwünscht. Persönliche politische Meinungsäußerung bleibt davon ausdrücklich unberührt.

     ↩︎
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Kommentare

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