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Sensationsgeile Presse

Letzte Aktualisierung am 30. Juli 2014.

In China hat sich ein junger Mann umgebracht. Das ist, wie jeder Selbstmord, tragisch, aber ist das wirklich eine Meldung in einem deutschen Nachrichtenportal wert?

Golem.de fand das jedenfalls berichtenswert und hat daraus einen Artikel gemacht. In zwei Absätzen steht, dass die Leiche in der Nähe einer Arbeiterunterkunft gefunden wurde. Der Rest des Artikels kaut wieder einmal die Arbeitsbedingungen bei dem Auftragshersteller Foxconn, für den der Tote gearbeitet hatte, durch und listet Firmen auf, die bei Foxconn produzieren lassen.

Was der Artikel unerwähnt lässt, ist, dass sich China jedes Jahr 7,9 Suizide pro 100.000 Einwohner pro Jahr zu vermelden hat. Bei 1,2 Millionen Angestellten sind das 94,8 zu erwartende Suizide bei Foxconn.

Das bedeutet nicht, dass Selbstmorde etwas sind, dass man einfach hinnehmen soll. Auch bedeutet das nicht, dass die Arbeitsbedingungen bei Foxconn gar nicht so schlimm sind. Aber das bedeutet, der Tode dieses jungen Manns ausgenutzt wird, für eine Botschaft, die die zur Verfügung stehenden Informationen einfach nicht hergeben. Bei solch sensationslüsterner Berichterstattung wünsche ich mir, dass in so einem Fall einfach einmal die Pietät gewahrt wird und nicht berichtet wird. Dafür kann man gerne das zugrunde liegende Thema aufgreifen und allgemein über Selbstmorde bei jungen Menschen berichten.

 

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